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Vorwort zur dritten Auflage.

Herr Konrektor Prof. Dr. Wörner in Leipzig, dessen Neubearbeitung von Äneis Buch IV-VI nach dem Tode von Kappes allgemein wohlverdiente Anerkennung gefunden hat, mußte leider aus Gesundheitsrücksichten darauf verzichten, weitere Teile des Gedichts für die Herausgabe vorzubereiten. Von der geschätzten Verlagsbuchhandlung erging deshalb an den Unterzeichneten die Aufforderung, die dritte Auflage der Bücher X—XII ,unter wesentlicher Beibehaltung des bisherigen Charakters“ zu besorgen. Doch hat er sich gleich seinem Herrn Vorgänger innerhalb der vorgezeichneten Grenzen die nötige Freiheit gewahrt, in der Fassung der vorhandenen Anmerkungen sowohl wie in der Aufnahme von neuen Erklärungen, wo solche angezeigt erschienen.

Wie in der Wörnerschen Bearbeitung wurde für die Textgestaltung die größere Ausgabe von Ribbeck (2. Aufl. 1895) zu Grunde gelegt, mit nur unerheblichen Abweichungen, meist orthographischer Natur. Ebenso ist das Register zu den Anmerkungen in Wegfall gekommen, da dieses Verzeichnis von den Schülern wohl nur in wenigen Fällen benutzt werden wird, für die Bedürfnisse des Lehrers aber umfassendere Sammlungen zu Gebote stehen.

Bei den Zitaten aus anderen lateinischen oder griechischen Schriftstellern erschien die Beschränkung auf diejenigen Klassiker angezeigt, die durch den bisherigen Unterricht dem Schüler bekannt sind. Eine Ausnahme davon bilden nur die Verweisungen auf Homers Ilias, auf die deshalb nicht verzichtet werden konnte, weil da und dort durch Privatlektüre

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in Prima eine eingehendere Bekanntschaft mit der bis dahin meist stiefmütterlich behandelten zweiten Hälfte des Epos angebahnt wird.

In der Streitfrage über die unvollendeten Verse ist der Herausgeber der Münscherschen Hypothese weniger zugänglich gewesen als seine beiden Herrn Vorgänger und kann vorläufig, bis er überzeugend eines Besseren belehrt wird, in den Hemistichien nichts anderes erblicken als Belege für die unfertige Gestalt der Dichtung.

In den wenigen Fällen, wo die Erklärung von dem Äneiskommentar des Herausgebers in den „Teubnerschen Schülerausgaben“ abweicht, sind solche Verschiedenheiten lediglich als Ergebnisse erneuter Nachprüfung aufzufassen, die bei jener Ausgabe in der zweiten Auflage nicht mehr berücksichtigt werden konnten und erst bei einem Neudrucke verwendet werden sollen.

Chemnitz, im September 1901.

Der Herausgeber.

P. VERGILI MARONIS

AENEIDOS

LIBER DECIMUS.

Panditur interea domus omnipotentis Olympi, conciliumque vocat divum pater atque hominum rex sideream in sedem, terras unde arduus omnis

castraque Dardanidum aspectat populosque Latinos. 5 considunt tectis bipatentibus, incipit ipse:

'caelicolae magni, quianam sententia vobis

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Zehntes Buch. Venus und Juno geraten im Götterrat miteinander in Streit. Inzwischen ist Äneas mit den jüngst gewonnenen Verbündeten Entsatze des Lagers zurückgekehrt. Es entspinnt sich ein heftiger Kampf, als dessen Opfer auf Seite der Trojaner Pallas, auf Seite ihrer Gegner Lausus und Mezentius fallen. Während Buch VII-IX die wachsende Bedrängnis der Trojaner schildert, gehen sie nunmehr angriffsweise gegen ihre Feinde vor.

1–15. Juppiter erhebt Klage, daß Juno und Venus gegen seinen Willen den Kampf veranlaßt haben.

panditur. In der Nacht wird die Götterburg geschlossen (vgl. Aen. I, 374), bei Anbruch des Tages wieder geöffnet, eine sinnbildliche Darstellung des Wechsels von Tag und Nacht. interea, während der Waffenruhe, die nach dem im 9. Buche erzählten Kampfe ein

Vergils Aeneide. IV. 1.

getreten war und am Morgen des nächsten Tages noch fortdauerte.

omnipotentis, die Eigenschaft des Bewohners wird auf seine Behausung übertragen.

2. conciliumque. que hat nicht selten die Bedeutung des inversum. divum pater atque hominum rex , (Hom. Od. I, 28: πατήρ ανδρών τε θεών τε) vgl. Aen. I, 65.

3. arduus, hochthronend. 5. tecta bipatentia, ein Saal mit Flügelthüren (vgl. Aen. II, 330). -Durch ipse wird häufig die Hauptperson aus ihrer Umgebung hervorgehoben, hier Juppiter von den zur Versammlung berufenen Göttern.

6. quianam, ein veraltetes Frag. wort = cur, wie Aen. V, 13. vobis, er meint nur Juno und Venus, richtet aber scheinbar seinen Vorwurf gegen alle Götter, um Mißstimmung gegen die Schuldigen zu erregen.

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