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mittelbar Daraufnachdem er volljährig erklärt wore den war, legte fich eine vollständige Stuterei : von Wettrennern an, und da er sich damit viel abgab, so gehörte er bald zu denen in England, welche die meis sten Kenntnisse davon besaßen. Seine Pferde galten allenthalben für die besten, und er selbst ließ sich oft herab, Neromarket und andere Vergnügungsplåge mit feiner Gegenwart zu beehren. Wie groß. die. Summen ma: ren, die der Prinz auf seine Gestüte, oder auf die Wetten verwendete, låßt sich nicht genau genug bestimmen. Es ist warscheinlich, daß, was die durch Wetten verlornen Summen anbetrifft, er manchmal bedeutend gewann und dann auch wieder verlor. Der gewöhnlichen Meinung nach hielt man seinen Verlust får fehr groß;. doch mag dieß sowohl, ale auch bei andern Gelegenheiten gar fehr übertrieben : worden feyn. i Konate man irgend eine Verordnung erlassen, wels dhe das Vergnügen des Wettrennens vor dem Verdachte des Betrugø, dessen sich die Liebhaber desselben ro oft gegenseitig beschuldigen, reinigten, so würde es ficher noch eine großere Lust gewähren. Als ein Mittel das gegen beschlossen die, welche sich häufig auf der Renns bahn einfanden, einen Gerichtshof aus ihrer Mitte: niederzusegen, der die unter ihnen entstandenen Streis tigkeiten schlichtete, und den Namen Sodei - Klub erhielt. Im Herbste 1791 machte eine Entscheidung dieses Gerichtshofee großes Aufsehen, weil der Prinz von Wales dabei iso sehr betheiligt war, daß er sich von der Rennbahn auf immer zurůdzog. Um 20. Dca tober nämlich wurde des Prinzen Pferd, Escape gea nannt, der für den flúchtigsten Renner auf der Bahn galt, in Newmarket von zwei Pferden von gerin: germ Rufe geschlagen. Die Wetten, welche zu Guns ften der Escape zuvor felir hoch waren, wurden zus rådgenommen, und große Wetten wurden ausgeseßt, daß es am nächsten Morgen verlieren würde. Doch zum größten Mißvergnügen derer, die gegen ihn ein: gelegt hatten, gewann er den Preis. Zufolge dies fes Umstandes gerieth des Prinzen Sockei Samuel Chifner, welcher die Escape an beiden Tagen titt, in den Berdacht, einen Betrug gespielt zu haben, und diefe Angelegenheit wurde vor den Jockei - Klub gebracht. Der Uusspruch desselben fiel ungünstig für Chifner aus, und Sir Charles Bunbury fepte den Prinzen in Kenntniß, daß, wenn er Chifnen ferner feine Pferde reiten". lasje, so würde kein rechtlicher Mann wieder mit ihm eine Wette eingehen. Der Prinz erriberte: „daß, wenn Sir Charles oder fede andere Person erweisen könnte., daß Shifney eine Uns redlichkeit begangen habe, so würde er nie wieder mit ihm ein Wort reden ; im entgegengesellten Fall aber wurde er ihn auch nicht um Underer willen aufopfern". – Chifney gab zehn oder zwölf Jahre nach dieser Geschidste, und zwar kurz vor seinem Tode, eine kleine denkwürdige Schrift über diesen Vorfall heraus. Wenn man diesen in so entferns ter Zeit betrachtet, so scheint der Verdacht, daß Chifnen einen Betrug begangen hatte, nur wenig für sich zu haben. Der Prinz bestand darauf, daß der Hodeio Klub ihn auf das Sorgfältigste und Bestimm. teste ausfragen möchte, und befahl, ihn eidlich in Bes treff der Vorfälle jener beiden Tage zu verhören, wozu fich Chifney bereitwillig erklärte. Şiernach ergiebt sich, daß er an dem ersten Tage des Wettrennens keine Wetten hatte, und am zweiten nur zwanzig Guineet. Was den Prinzen anbetrifft, ro hatte er am ersten Tage ebenfalls keine Wette, und am ziveiten nur vierzig Guinees , und die Vermuthung ist höchst un. mahrsdeinlich, daß. uin so kleinen Gewinnstes wils len, er mit seinem Bedienten unter einer Dede ges splitt haben sollte ; hodist wahrscheinlich aber ist es,

daß einige Personen des Prinzen Entfernung, wegen der Vortrefflichkeit seine Pferde, wünschten, und man führt sogar noch an, daß Herr Vernon gesagt habe, daß, da der Prinz die besten Pferde und Jodeis habe, es besser rei, wenn er fich nicht auf der Renns bahn ferner einfånde." Daß aber der Prinz fich lies ber von Newmarket entfernte, als sid, der beleidigena den Anforderung, seinen Bedienten, ohne hinlänglis chen Beweis, eine solche Strafe verdient zu haben, fortzuschigen, verdient mehr Lob, als Tabel. Auch war er der Meinung, daß Chifnen schlecht behandelt worden sei, und regte ihm einen Fahrgehalt von 200 Pfund quo. Chifnen erzählt auch in seiner Schrift, daß im Jahr 1802, zur Zeit des Wettrens mens zu Brighton und Lewes, als der Prinz mit ein nem besondern Manne dort herumspakierte, er zu ihm gegangen und Sr. königlichen Hoheit erzählt habe, daß man fich über ihn in Newmarket sehr laut beklagt hatte, worauf der Prinz entregnete: Sam Chifney, hier ist niemale gut gerebet worden; sie haben mich und dich sehr schlecht behandelt; ,,e8 ist schlechtes Bolt! Ich werde hierher nie wieder einer Fuß legen." So endigte sich deu Prinzen Verbindung mit Neromarket.

Der Herzog von Orleans langte im Dctober 1789 abermals in England an, wo ein Haus für ihn in Bereitschaft gelegt wurde. Der Prinz von Wales und einige andere Personen vom höchsten Range machten ihm sogleich ihre Lufwartung. Der Herzog batte kurz zuvor an die Nationalversammlung geschrieben, und um einen Paß gebeten, wobei er ans gab, daß der König ihn zum Abschluß wichtiger Ges fchafte nach England schide. Diesem Briefe mar ein Zeugniß von den Grafen Montmorin, Minister der auswärtigen Ungelegenheiten, beigefügt, daß der Hero jog diesen Auftrag wirklich erhalten habe. Der Pas ward bewilligt, ob dyon man sich über den Zwede rebre verwunderte. Noch an demselben Tage verließ der Herzog Paris , und begab sich nad Boulogne; dody eben, als er im Begriff stand, sich einzuschiffen, wurde er von einer Menge Fischweiber erkannt, die ihm nicht gestatteten, an Bord zu gehen, sondern ihn nóthigten, nach dem Gasthofe zurůđzukehren, wo sie eine Wache von der Bürgergarde vor die Thůr mit dem Befehle jtellten, ihn bis zur Rúdkehr eis ner Deputation, die sie nach Paris an die Nationale versammlung abgesendet, in gefánglicher Haft zu hals ten. Der Magistrat von Boulogne redete dem Un:

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