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Miscellen.

Handschriftliches.

Eine griechische Novelle. Von E. Rohde
Zur Vita des Periegeten Dionysios, Von W. Zipperer

628 627

465 630

Iuvenalianum. Von 0. Ribbeck.
Zu Corippus. Von E. Baehrens
Zu den versus Scoti cuiusdam de alphabeto. Von

J. Klein ..

465

Zu den Tironischen Noten. Von W. Schmitz

287. 631

Litterarhistorisches.

Varro und die römischen Didaskalien. Von F. Schöll
Zu Vibius Sequester und Silius Italicus. Von

H. Blass

469

133

Kritisch-Exegetisches.

Zu Sophokles. Von W. Subkow

300

471

632

Zu Platon's Symposion. Von L. Schmidt
Zu Pseudo-Xenophon de re publica Atheniensium.

Von A. v. Gutschmid
Die Inschrift des Othryades beim Statius-Scholiasten.

Von P. Kohlmann ..
Zu Diodor. Von G. Kiessling
Zu den Declamationen des Polemo. Von E. Rohde
Zu Athenaeus. Von demselben

302 137 137 473

475

.

Zu Plautus (Cas.) Von H. A. Koch
Zu Plautus' Mercator. Von G. Goetz
Zu Terentiu s' Kecyra. Von W. Fielitz
Zu Lucilius. Von 0. Keller .
Zu Catullus. Von L. Müller
Zu Propertius. Von E. Baehrens
Zu Virgil. Von L. Müller
Zu Horaz. Von C. Frick .
Zum Gedichte Aetna. Von E. Baehrens
Zu Martialig. Von L. Müller .
Zur lateinischen Anthologie. Von G. Goetz und

A. Rönsch.

635 304 140 476 638 305 144 144 307

477

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Zum Dialog des Tacitus. Von E. Baehrens
Zu Apuleius. Von E. Rohde und H. Rönsch.
Zu Fronto. Von J. Klein

Zu Festus. Von M. Voigt
Epigraphisches.

Zum C. I. L. Von H. Steuding

146. 309

148 639 149

.

132

Onomatologisches.

Kosenamen auf itta. Von J. Klein ..'.

297

Antiquarisches.

Scenisches zu Plautus' Poenulus. Von J. Sommer

brodt

129

Kalendarische s.

Ein Pariser Verzeichniss der dies Aegyptiaci. Von

W. Schmitz Prosodiezwang

295

480

Chronologische Untersuchungen über Apollodors

Chronika.

Wer sich mit der Chronologie der griechischen Geschichte vor dem peloponnesischen Kriege beschäftigt hat, weiss wie auffallend gering die Anzahl von wirklich verlässlichen Zeitbestimmungen ist. Nur wenige feste Punkte ragen aus dem Chaos der gewissermassen zeitlos überlieferten Ereignisse hervor. Dies gilt nicht nur von den politischen Ereignissen, sondern natürlich in noch viel höherem Grade von der Culturgeschichte, deren Epochen nicht so markiert in das Leben der Nation einschneiden, deren Träger wegen ihrer innerlichen Wirksamkeit sich der allgemeinen Aufmerksamkeit mehr entziehen. Selbst die Historiker von Fach interessieren sich zu sehr für die äussere Entwicklung ihres Volkes, als dass sie die Manifestationen des künstlerischen und wissenschaftlichen Geistes anders als zufällig erwähnen könnten. Auch die Schriftsteller selbst bieten keine direkten Anhaltspunkte für Zeitbestimmungen. Höchstens wahrten sie durch Nennung des Namens am Anfang ihr Autorrecht, ihre Priorität zu constatieren fiel keinem ein mit Ausnahme des Demokrit, dem auch hierin später Epikur folgte. Officielles Urkundenmaterial war nur für die Aufführungen der dramatischen und melischen Dichter vorhanden. Für alle übrigen besonders Prosaschriftsteller blieben zufällige Erwähnungen, Berührungen mit gleichzeitigen Personen oder Ereignissen, böchstens Altersangaben, nur in Ausnahmefällen authentische Daten das dürftige Material, das den Späteren vorlag.

Während daher für die Dichter schon durch Hellanikos besonders aber durch Aristoteles die didaskalischen Urkunden gegammelt und bearbeitet wurden, erscheinen die biographischen Notizen über Prosaiker selbst bei diesem so vereinzelt und unbestimmt, dass man deutlich fühlt, wie wenig Verlässliches er mitzutheilen wusste. Diese Lücken suchte nun die Sammelwuth seiner Schüler auszufüllen, allein die bodenlose Unkritik selbst des AriRhein. Mus. 1. Philol. N. F. XXXI.

1

stoxenos ganz abgesehen von der gebässigen Anekdotenerfindung der Spätern lässt die litterarhistorischen Verdienste der Peripatetiker in einem etwas zweifelhaften Lichte erscheinen.

Diesem Zustande der litterarischen Forschung gegenüber kann man die Leistung der alexandrinischen Chronographie nicht hoch genug anschlagen. Von Eratosthenes, dem in allen Fächern bewanderten Gelehrten ging eine durchgreifende Revision des überlieferten Materials aus. Er ging mit richtigem Blick auf die jedesmal älteste Ueberlieferung zurück, die er als Bibliothekar der alexandrinischen Bibliothek wie kein andrer überschauen konnte. Danach beseitigte er die unrichtigen Angaben, gab nach bestem Wissen die zuverlässigsten Daten und fixierte sie in seinem umfassenden System. So ward er zu dem Gründer der chronologischen Wissenschaft, als welchen ihn das Alterthum allgemein anerkennt. Ungefähr hundert Jahre später schloss Apollodor diese Untersuchungen ab, indem er die grundlegende Arbeit seines Vorgängers im Grossen und Ganzen acceptirte, einzelne unvermeidliche Fehler mit kundiger Hand berichtigte, andres zusetzte und die so gewonnenen Resultate in populärer Form zum Gemeingut aller Gebildeten machte. Diese Forschungen sind das Vollkommenste was das Alterthum auf diesem Gebiete geleistet hat. Aber nach dem oben geschilderten Zustande der Ueberlieferung war es selbst der schärfsten Kritik, der umfassendsten Belesenheit nicht möglich die Lücken genügend auszufüllen. So saben sich die Alexandriner veranlasst im Besitze einer umfassenden Uebersicht über den Gang der Litteratur die fehlenden Thatsachen durch eigne Combinationen zu ergänzen, überzeugt, dass durch begründete Hypothesen die Wissenschaft besser gefördert wird, als durch die von sterilen Geistern oft missbrauchte ars nesciendi. Natürlich haben sie nicht unterlassen diesen combinatorischen Character der gegebnen Ansätze anzudeuten, wie sich dies noch an einzelnen Spuren nachweisen lässt. Allein bei der Dürftigkeit der erhaltepen Ueberreste sind uns fast nur die nackten Daten überliefert.

Unsre Aufgabe ist es also dieselben auf ihren doppelten Ursprung zu untersuchen und danach ihren Werth für uns bestimmen, So schwierig diese Untersuchungen an sich sind, so werden sie noch unendlich erschwert durch die geradezu beispiellose Verderbtheit der sekundären Quellen, denen wir alle alexandrinische Erudition verdanken. Können wir schon in früher Zeit die wunderbarsten Verwirrungen und Verderbnisse nachweisen, so kann man sich denken, wie in geometrischer Progression diese

zu

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Fehler sich bei Eusebios und dessen Nachtretern vervielfacht haben. Die unglaublichen Dinge, die hier zu Tage kommen, lassen sich eben nur darch die Leichtigkeit von Irrthümern in Zahlen '), durch die vielfach vermittelte und contaminierte Ueberlieferung und vor allem durch das im Alterthum ausserordentlich niedrige Niveau des chronologischen Wissens erklären.

Man sollte nun denken, es sei erste Plicht der Forschung gewesen, wenn uns nicht ältere authentische Nachrichten zu Gebote stehen, zunächst einmal die alexandrinische Ueberlieferung reinlich ans der späteren Verderbniss herauszuschälen, die sekundāren Quellen aber nur vergleichsweise oder im Fall der Noth suzuziehen. Allein nur selten ist bei chronologischen Untersuchungen dieser Forderung Rechnung getragen worden. Es ist vielmehr Sitte von Dodwell und Bentley bis Clinton und den Neuern die Notizen aller Zeiten und Schriftsteller zu einer Tabelle zu vereinigen, woraus sich dann jeder mit Zuthat seiner eigenen Vermuthungen ein System construiert. 2

Während man sonst in der historischen Forschung selten mehr einem solchen Mangel an Methode begegnet, scheint man sich in der Chronologie so wenig von der Werthlosigkeit der ganzen nachalexandrinischen Ueberlieferung den primären Quellen gegenüber überzeugt zu haben, dass es ein bedeutender Forscher wagen konnte die Methode umzukehren und den allererbärmlichsten spätesten Notizeukram Apollodor gegenüber für die wahre Weisheit auszugeben. 3

Im folgenden soll nun zunächst für die Chronologie der griechischen Philosophen die Restitution der Ansätze Apollodors versucht werden. Aus dieser Zusammenstellung wird sich

1 Rechenfehler sind in solchen Untersuchnngen nicht selten. Wunderbar ist es aber, dass C. Müller und Zumpt zwei Verrechnungen Clintons Ol. 58, 2 Thales und Ol. 123, 2 Strato ruhig abschrieben.

Ich verweise hierfür auf die beherzigenswerthen Worte in E. Rohdes Aufsatz über Jamblichus Rh. Mus. XXVI 568.

3 Ich kann es nicht über mich gewinnen die offenbar sehr flüchtige Schrift C. F. Hermanns de philosoph. Ionic. aetat. Gott. 1849 später im Einzelnen zu widerlegen. Die Resultate sind der Methode gemäss ohne Ausnahme falsch. Einen rühmlichen Gegensatz dazu bilden die Ansätze Zellers, der mit richtigem Blick auf die Bedeutung der primären Quellen hingewiesen hat. Auf seine ziemlich vollständige Litteraturangabe verweige ich ein für allemal, da der Zweck der folgenden Untersuchung nur eine beschränkte Auswahl zulässt.

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