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Inhalts-Verzeichnis des LXXVI. Bandes.

Zum Andenken an Wilhelm Grimm.*

Im Januar des vergangenen Jahres feierte das deutsche Volk das Andenken eines Mannes, dessen stille Forschergrösse, dessen milde, edle Denkungsart, dessen Bescheidenheit und Festigkeit ihn in hohem Masse als Repräsentanten eben dieses Volkes erscheinen liessen, das mehr als irgend ein anderes es liebt, sich in die Tiefe des eigenen Wesens, in die Schächte seiner Vergangenheit zu verlieren, dessen Bescheidenheit sprichwörtlich geworden, dessen Festigkeit bewährt ist – das Andenken Jakob Grimms. In zahlreichen Reden und Schriften wurde seine Bedeutung für die Begründung und Entwickelung der deutschesten Wissenschaft, der deutschen Philologie, der germanischen Altertumskunde dargethan; wer dieser Disciplin fern stand, erinnerte sich gern der frohen Stunden, die er in goldenen Jugendtagen über den Grimmschen Märchen verbracht; wer ihm nahe trat und seinem Bilde an der Hand der damals von allen Seiten zuströmenden Litteratur nachging, der durfte nicht ablassen, in ihm den deutschen Mann, den aufrichtigen und ehrlichen Patrioten, der unerschrocken für seine Überzeugung einzutreten wusste, den hochherzigen, für die herrlichsten Ziele begeisterten Gelehrten zu verehren und zu bewundern. Jakob Grimm ist eine köstliche Gestalt; wie aber die Natur zuweilen ein glänzendes Phänomen zeitigt und sich im freudigen Schaffensmut beeilt, ihm ein zweites oder drittes keck zur Seite zu stellen, so entsprossten derselben

* Gelesen in der von der Gesellschaft für deutsche Philologie zu Berlin ihm zu Ehren gehaltenen feierlichen Sitzung am 24. Februar 1886.

Archiv f. 11. Sprachen. LXXVI.

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