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Inter et arma fuga muros tenet altaque certat
Prendere tecta manu sociumque attingere dextras.
Quem Turnus pariter cursu teloque secutus
Increpat his victor: Nostrasne evadere, demens,
Sperasti te posse manus? simul arripit ipsum
Pendentem et magna muri cum parte revellit:
Qualis ubi aut leporem aut candenti corpore cycnum
Sustulit alta petens pedibus Iovis armiger uncis,
Quaesitum aut matri multis balatibus agnum
Martius a stabulis rapuit lupus. Undique clamor
Tollitur, invadunt et fossas aggere conplent,
Ardentis taedas alii ad fastigia iactant.
Ilioneus saxo atque ingenti fragmine montis
Lucetium portae subeuntem ignisque ferentem,
Emathiona Liger, Corynaeum sternit Asilas,
Hic iaculo bonus, hic longe fallente sagitta;
Ortygium Caeneus, victorem Caenea Turnus,
Turnus Itym Cloniumque, Dioxippum Promolumque
Et Sagarim et summis stantem pro turribus Idan,
Privernum Capys. Hunc primo levis hasta Themillae
Strinxerat: ille manum proiecto tegmine demens
Ad volnus tulit; ergo alis adlapsa sagitta
Et laevo infixa est lateri manus abditaque intus
Spiramenta animae letali volnere rupit.
Stabat in egregiis Arcentis filius armis

41-48.

557. Die W. inter et arma enthalten einen erweiternden Zusatz zum vorhergehenden Hauptbegriff; in Prosa würde es heissen: inter hostes eosque armatos; vgl. Valer. FI. V, 13: inter lacrimas interque extrema virorum munera.

558. tecta, die Zinne der Mauer. 562. mur. c. part. rev., vgl. Hom. II. XII, 397-98.

563. qualis ubi. Mit dem folg. Bilde vgl. Hom. II. XXII, 308-10. XV, 690-92.

564. sustulit. Ueber dieses gnomische Perf. s. z. A. V, 145. Iov. arm., vgl. A. I, 394.

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566. Mart. lup. Den Wolf hielten die Römer für ein dem Mars heiliges Thier.

572. longe fall. sag., d. b. mit weithin treffenden, aber seiner Schnelle wegen unbemerkten Pfeile.

577, ille manum. Privernus thut also dasselbe, was als Sitte der Barbaren Demosth. Phil. I, p. 51 tadelt: (τῶν βαρβάρων) ὁ πληγείς ἀεὶ τῆς πληγῆς ἔχεται, κἂν ἑτέρωσε πατάξης, ἐκεῖσέ εἰσιν αἱ χεῖρες, προβάλλεσθαι δ ̓ ἢ βλέπειν ἐναντίον οὔτ ̓ οἶδεν οὔτ ̓ ἐθέλει.

578. alis adlapsa erinnert an welches homerische Epitheton der Pfeile?

579. infixa est lat. man., vgl. Ovid. met. XII, 253: acta retro naris medioque infixa palato est.

581. armis. Unter arma sind hier nicht blos die Waffen zu verstehen, sondern das Wort bezeich

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Pictus acu chlamydem et ferrugine clarus Hibera,
Insignis facie, genitor quem miserat Arcens,
Eductum Matris luco Symaethia circum

585 Flumina, pinguis ubi et placabilis ara Palicis:
Stridentem fundam positis Mezentius hastis
Ipse ter adducta circum caput egit habena
Et media adversi liquefacto tempora plumbo'
Diffidit ac multa porrectum extendit arena.

net hier im weitesten Umfang Alles, was zur Bedeckung und Ausrüstung des Kriegers gehört, vgl. Liv. XXXV, 23: munera data, equi duo, bina equestria arma. Im Folg. wird allein sein Kriegsmantel, chlamys (vgl. A. VIII, 588. XI, 775), beschrieben; aus der Pracht desselben dürfen wir auf den Glanz der sonstigen Rüstung schliessen.

582. pictus acu chlam., vgl. A.

III,

483. ferrug. cl. Hib. ferrugo, eig. die Eisenrostfarbe, ist hier von dem spanischen Purpur gesagt, der mehr ins Dunkle fiel; vgl. A. XI, 772. Eine chlamys von spanischem Purpur giebt Verg. dem Sohne des Arcens, um wahrscheinlich auf die spanische Abkunft der Sicani, s. Thucyd. VI, 2, hinzuweisen.

584. Matris, d. i. der Cybele. An mehreren Orten Siciliens, namentlich bei der Stadt Engyion, war der Cultus der Matres uralt; da man in späteren Zeiten nicht mehr wusste, an wen man bei diesen Matres zu denken habe, sich aber auch erinnerte, dass Engyion von den Kretern erbaut sein sollte, so deutete man die Verehrung der Matres auf die μητέρες θεῶν und also besonders auf die magna mater deum, d. i. die Cybele, die sehr häufig (vgl. Cic. Verr. IV, 44. V, 72) mit der Rhea verwechselt wurde. Mit dem blossen Namen Mater bezeichnet Verg. die Cybele auch G. IV, 64. A. IX, 108.

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585. Palicis. Die Palici waren Zwillinge, Söhne des Zeus und der Thalia, die in Sicilien in der Nähe des Flusses Symaethus verehrt wurden. Servius erklärt die pinguis et placabilis ora (vgl. A. VII, 764) so, dass die Paliken früher durch Menschenopfer versöhnt wurden, bis man später ihren Zorn durch gewisse Ceremonien besänftigte und nun die Opfer änderte.

586. hast. Nach homeripos. scher Sitte (vgl. Od. XII, 228) sind die vergilischen Krieger mit 2 Lanzen im Kriege versehen, vgl. A. XII, 165. 488. Auch die römischen hastati führten jeder 2 pila.

588. liquef. pl. Die Alten glaubten, dass die mit grosser Kraft geschleuderten Bleikugeln durch den Luftdruck sich erhitzten und schmölzen, vgl. Senec. quaest. nat. II, 57: liquescit excussa glans funda et attritu aëris velut igne distillat. Dasselbe behaupten Lucret. VI, 305-8 und Ovid. met. II, 727-29. med. adv. temp. Traf Mezentius gerade die Schläfe, so musste der Feind in dem Momente, wo Mez. abschleuderte, den Kopf zur Seite gewendet haben, und streckte er ihn lang in den Sand hin, nun, so musste der Sohn des Arcens von der Mauer herabfallen, denn auf der Mauer war kein Sand. Dinge, die sich aus dem Gesagten von selbst ergeben, kann der epische Dichter im Vertrauen auf die Urtheilskraft seiner Leser übergehen, vgl. z. A. V, 858.

Tum primum bello celerem intendisse sagittam
Dicitur, ante feras solitus terrere fugacis,
Ascanius fortemque manu fudisse Numanum,
Cui Remulo cognomen erat Turnique minorem
Germanam nuper thalamo sociatus habebat.

Is primam ante aciem digna atque indigna relatu
Vociferans tumidusque novo praecordia regno
Ibat et ingentem sese clamore ferebat:

Non pudet obsidione iterum valloque teneri,
Bis capti Phryges, et morti praetendere muros?

590. Verg. lässt hier den Ascanius, von dem es oben v. 311 hiess: ante annos animumque gerens curamque virilem, seine erste Kriegsprobe ablegen; als Pfeilschütze tritt Ascanius auf, weil diese Waffe dem Ephebenalter gemäss ist.

591. ante fer. sol. terr., vgl. A. IV, 156-59. VII, 497.

593. Rem. Ein anderer Remulus kam oben v. 360 vor, ein dritter erscheint A. XI, 636. In ähnlicher Weise erscheinen 2 Numa's A. IX, 454. X. 562, verschiedene Trojaner mit dem Namen Butes A. V, 372. IX, 647. XI, 690, und wenigstens 2 Krieger mit dem Namen Corynaeus A. IX, 571 und XII, 298. Auffallend aber ist es, dass Numanus noch ein cognomen hat, zumal da nach einer Notiz des Varro die alten Italier nur einen Namen führten. Vielleicht aber erhielt Numanus das cognomen erst, als Turnus ihm wegen seiner Tapferkeit seine jüngere Schwester (die ältere hiess Juturna, s. A. XII, 146) zur Ehe gab, um seinen früheren plebejischen Namen (denn Numanus bezeichnet einen Einwohner der Stadt Numana in Picenum) mit einem vornehmeren zu vertauschen. Vielleicht liegt auch in den Worten sociatus habebat eine Andeutung der Herablassung des Turnus, dass er einem Manne aus dem Volke seine Schwester zur Ehe

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590

gab, denn sonst heisst die Frau nur sociata cum viro, nicht der Mann sociatus cum uxore. Dieser Erklärung entspricht auch der Stolz auf seine neue Königsverwandtschaft, den Numanus in Worten des Glimpfs und Schimpfs an den Tag legt, v. 595-96, sowie die ruhmredige Erwähnung der nostra conubia in v. 600. Turnique. la 2 durch eine kopulative Partikel verbundenen Relativsätzen setzt Verg. das pron. relat. nur zum ersten Verbum und lässt es beim zweiten, auch wenn dieses einen verschiedenen Casus erfordert, ergänzen. Eine Ausnahme, und zwar in verschiedener Weise, machen die Stellen A. II, 5. und VII, 61–63.

597. ingent. sese fer., vgl. A. XII, 441 und s. z. A. V, 373.

598-620. Numanus copirt hier die Rede seines Schwagers in v. 128 -58, führt einige Gedanken des Turnus weiter aus uud überbietet andere in unverständiger Weise.

599. bis capti, s. z. A. II, 642.

morti praet. muros. Wenn

Turnus es oben v. 142-43 als seine feste Ueberzeugung aussprach, dass die Trojaner in diesem Kampfe unterliegen würden, so schreibt Numanus hier diese Ueberzeugung den Trojanern selbst zu und macht ihnen den Vorwurf, dass sie den unrühmlichen Tod hinter ihren Verschanzungen dem ruhmvollen Tode in offener Feldschlacht vorziehen.

595

600 En, qui nostra sibi bello conubia poscunt!
Quis deus Italiam, quae vos dementia adegit?
Non hic Atridae nec fandi fictor Ulixes.
Durum ab stirpe genus natos ad flumina primum
Deferimus saevoque gelu duramus et undis,
605 Venatu invigilant pueri silvasque fatigant,

Flectere ludus equos et spicula tendere cornu.
At patiens operum parvoque adsueta iuventus
Aut rastris terram domat aut quatit oppida bello.
Omne aevum ferro teritur versaque iuvencum
610 Terga fatigamus hasta nec tarda senectus
Debilitat viris animi mutatque vigorem,
Canitiem galea premimus semperque recentis
Conportare iuvat praedas et vivere rapto.
Vobis picta croco et fulgenti murice vestis,
615 Desidiae cordi, iuvat indulgere choreis,

Et tunicae manicas et habent redimicula mitrae.
O vere Phrygiae, neque enim Phryges, ite per alta

Eine ironische

600. en, qui.
Aeusserung in dem Sinne: da seht
die Helden, die etc.

601. quis deus. Wenn Turnus oben v. 133-34 es doch noch zugab, dass die Trojaner sich auf günstige Göttersprüche berufen könnten, so stellt dies Num. hier geradezu in Abrede.

602. fandi fict., Meister in täuschender Rede, vgl. Hom. II. XXII, 281.

603. dur. ab st. gen. Die folg.
Beschreibung der altitalischen Sit-
ten dient, insofern die späteren Rö-
mer aus einer Vermischung der
Trojaner mit den Völkern, mit de-
nen sie jetzt im Kriege lebten,
hervorgingen, zur Verherrlichung
altrömischer Zucht und Lebens-
weise; vgl. G. II, 167—72.

605. venatu, s. Einl. p. VII.
606. spic. tend. cornu, s. z. E.
10, 59.

609. vers. hasta. Beim Pflügen
brauchten sie den umgekehrten
Spiess (oavowing), um die Stiere
anzutreiben. So enthalten diese W.

die Erklärung der Stelle A. VII, 748 : armati terram exercent.

610. fatig. Wegen der Verlängerung der Endsylbe s. Einl. p. VII.

613. Das vivere rapto wird auch A. VII, 746-49 neben der Beschäftigung mit der Jagd und dem Ackerbau als Eigenthümlichkeit der Aequi angeführt.

614. picta croco. Dass Safrangewänder auch mit Goldstickereien versehen sein konnten, geht aus A. XI, 775 hervor.

615. ind. chor., vgl. Hom. Il. XXIV, 261.

616. tun. manic. In ähnlicher Weise beschreibt Cic. Cat. II, 10, 22 eine Classe der Anhänger des Catilina: quos pexo capillo, nitidos, aut imberbes aut bene barbatos videtis, manicatis et talaribus tunicis, velis amictos, non togis. - mitrae, s. z. A. IV, 216. Nicht genug, dass sie mitrae tragen, die mitrae haben auch noch redim.

617. o vere Phryg., vgl. Hom. II. II, 235. VII, 96.

Dindyma, ubi adsuetis biforem dat tibia cantum.
Tympana vos buxusque vocat Berecyntia Matris
Idaeae, sinite arma viris et cedite ferro.
Talia iactantem dictis ac dira canentem
Non tulit Ascanius nervoque obversus equino
Contendit telum diversaque bracchia ducens
Constitit, ante Iovem supplex per vota precatus:
Iuppiter omnipotens, audacibus adnue coeptis.
Ipse tibi ad tua templa feram sollemnia dona
Et statuam ante aras aurata fronte iuvencum,
Candentem pariterque caput cum matre ferentem,
Iam cornu petat et pedibus qui spargat arenam.
Audiit et caeli genitor de parte serena
Intonuit laevum, sonat una fatifer arcus.

618. Dind., ein der Cybele heiliger Berg in Phrygien, wo bei der Feier der Berecyntia mater (s. z. A. VI, 784) vorzüglich die Handpauke (tympanum) und die aus Buchsbaum verfertigten phrygischen Pfeifen (nämlich die tibia dextra mit tieferem, und die t. sinistra mit höherem Tone) gebraucht wurden.

- bif. cant. weis't auf die Töne der tibia dextra und der tibia sinistra hin.

621. Die Rede des Num. enthielt theils prahlerische Hervorhebung der italischen Tapferkeit im Vergleich mit dem unkriegerischen Sinn der verweichlichten Trojaner, theils Verkündigung des sicheren Untergangs der Trojaner: Ersteres wird durch talia jact. d., Letzteres durch dira can. angedeutet.

623. div. br. duc. diversa ist proleptisch zu nehmen; denselben Gedanken drückt Apoll. Rhod. III, 283 durch ἀμφοτέρησι διασχόμε νος παλάμησιν aus.

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Asc. auch bisher von der Theil-
nahme am Kampfe abgehalten und
nur der vom Num. v. 601 ausge-
sprochene Zweifel an der Wahr-
heit der Göttersprüche, welche den
Trojanern Italien anwiesen, konnte
den Ascan. bewegen, seinen durch
die Worte des Num. erregten_pa-
triotischen Unwillen durch die That
an den Tag zu legen.

626. ad tua templa. Natürlich
soll dies erst dann geschehen, wenn
die Trojaner dem Jupiter Tempel
erbaut haben; dass Asc. dies Ge-
lübde erst später erfüllen will, deu-
tet auch das ipse an, er selbst näm-
lich will dies Opfer bringen, es
nicht, wie bisher, durch den Aen.
bringen lassen.

627. et stat. Mit diesem und den beiden folgenden Versen vgl. Hom. Od. III, 382-84. aur. fr. Tibull. IV, 1, 15: semper inaurato taurus cadit hostia cornu, vgl. auch A. V, 366.

628. par. cap. C. m. fer., also einen herangewachsenen, vgl. Theocr. VIII, 14: Ισομάτορα ἀμνόν.

629. Diesen Vers hat Verg. aus
E. 3, 87 entnommen.

630. vgl. Hom. II. XV, 377.
631. int. laev., s. z. A. II, 693.

620

625

630

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