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und

Tu quoque, Phoebe, tui casus imitabere nati
Praecipiti curru, subitaque ferere ruina
Pronus, et extincta fumabit lampade Nereus,

Et dabit attonito feralia sibila ponto (Z. 25-28)

im Geiste der Zeit mit dem gelehrten Prunk die Ode (aus den Silvae) 'In Obitum Procancellarii Medici (Z. 9—14):

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Si destinatam pellere dextera

Mortem valeret, non ferus Hercules,

Nessi venenatus cruore,
Aemathia jacuisset Oeta.

Nec fraude turpi Pallidis invidae

Vidisset occisum Ilion Hectora ... etc.,

was dann fortgesetzt wird in endlosen Anspielungen: wenn Zaubertränke etwas vermöchten gegen den Tod, lebten Circe und Medea noch usw. (also genau wie Lyly vgl. S. 32, nur dass dieser bezeichnend sich nicht auf den Tod, sondern auf die Liebe bezieht). Das sind Beispiele, die gehäuft werden könnten. Stets, auch beim alltäglichsten Bild, stellt sich der mythologische Vergleich ein. Die zweite Elegie 'In Obitum Praeconis Academici Cantabrigiensis' ruft die ganze griechische Heroenwelt ins Gedächtnis und das talis und sicut (das später so anders lauten sollte) soll Lob sein und ins goldene Zeitalter versetzen. Es ist bezeichnend, dass in diese Zeit chronologisch und stilgeschichtlich auch das Trauergedicht auf Diodati fällt, das Epitaphium Damonis (1639 vgl. Masson II/85), die einzige voll durchgeführte Form des Pastorals in seiner künstlichsten Ausbildung, und in genauem Anschluss an die Idyllen des Theokrit, Bion, Moschus und Vergil. In den gleichzeitig oder kurz darauf geschriebenen englischen Dichtungen (vgl. Ch. G. Osgood/The Classical Mythology of Milton's English Poems. Vale Studies VIII) finden wir eine ähnliche Verwendung. Z. B.:

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Listening to what unshorn Apollo sings

To th'touch of golden wires, while Hebe brings
Immortal nectar to her kingly sire (Vacation Exercise
1628 Z. 37 f.).

Dann wird oft (Comus 66, 190; Lycidas 77 u. ö.) die Sonne wie in den lateinischen Gedichten als Phoebus angeführt (was später vermieden wird und wofür dann personifiziert Light, Sun usw. steht) was uns Shakespeares beliebte Verwendung des Worts ins Gedächtnis ruft. In der Tat befinden wir uns hier in den Bahnen der Renaissancekonvention, die die Mythologie als ornamentale Arabeske

aufgriff, die ihrer als Schmuck bedurfte. Zu der Stelle um nur eine anzuführen im Il Penseroso (Z. 58-60)

Smoothing the rugged brow of Night

While Cynthia checks her dragon yoke
Gently o'er th'accustom'd oak

können wir Parallelstellen bei Shakespeare (Mids. N. D. II/1; III/2; IV/1 Cymb. II/1) anführen (und wir könnten diesen Parallelismus auf andere Dichter ausdehnen, da es sich eben um eine Konvention handelt); später können solche Gegenüberstellungen kaum mehr gemacht werden. Als Schluss dieser ersten Phase der Miltonschen Verwendung der klassischen Mythologie sei noch auf das Schwelgen in Mythologie hingewiesen, in Übereinstimmung mit der konventionellen Verwendung in Comus Z. 867-889 und im ersten und dritten Song der Arcades (wo es allerdings beide Male Stoff und Form nahelegte), und ferner auf die Stelle in Allegro (Z. 83—86) Where Corydon and Thyrsis met,

Are at their savoury dinner set

Of herbs and other country messes,

Which the neat-handed Phillis dresses,

wo die Antikisierung der englischen Umwelt das Drydensche Urteil, dass Milton die Natur 'through the spectacles of books' sah, hervorrief. Gewiss auch später finden sich Vergleiche, die eine dieser ersten Phasen ähnliche Mythologieverwendung zeigen z. B. P. L. 1/777; IX/386,1) aber sie sind ungleich seltener und es liegt kein Nachdruck auf ihnen.

Früh nämlich bahnt sich eine zweite Phase an, die in einer Floskel oder dgl. die künftige Entwicklung vorausdeutet, wie z. B. in der letzten Zeile der folgenden, sonst ganz im Herkommen stehenden Stelle:

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He thought it touched his deity full near,
If likewise he some fair one wedded not,
Thereby to wipe away the infamous blot

Of long-uncoupled bed and childless eld,

Which, 'mongst the wanton gods, a foul reproach was held (On the Death of a Fair Infant) (1626 Z. 8-14) oder, man möchte sagen unbewusst, in jener oben angeführten ersten Elegie schon, wo mit dem Cedite Achemeniae ... puellae' (Z. 65) die ganzen mythologischen Figuren zurückgewiesen werden 'Gloria virginibus debetur prima Britannis' (Z. 71). Es ist eine Kritik eingeschlossen, oder es ist eine Verwendung der klassischen Mythologie mit Einschränkung. Der Grund ist das langsame Sich-BewusstWerden des Gegensatzes Antike-Christentum, und der Wille des Künstlers, eine bestimmte Anschauung als die von ihm vertretene kenntlich zu machen. In den Zeilen des Comus (wo die auf 'chastity' gelegte Überemphase noch den Bann eines nicht ganz natürlichen Zeitalters verrät, an J. Fletcher denken lässt und die 'Cavalier alternative' ins Gedächtnis ruft) heisst es zwar:

Do you believe me yet, or shall I call
Antiquity from the old schools of Greece

To testify the arms of chastity (437-440)

und Diana, Minerva werden als Beispiele herangezogen, und die darauf folgende Zeile: So dear to Heaven is saintly chastity, That . . . (435) beweist in ihrer Vermischung von Antike und Christentum den naiven Gebrauch der Mythologie; und steht doch schon an einer Grenzscheide, da die Mythologie mag sie noch so sehr als Ornament gebraucht sein zum Beweis einer bestimmten These herangeführt wird und moralische Deutung anbahnt. So reichen hier einerseits Fäden zurück in ein mittelalterliches Erbe der Renaissance und anderseits zum späten Milton hin, aber die Fühlung mit der Renaissance im landläufigen Sinne ist loser geworden. Ähnliches kann auch von folgender Stelle gesagt werden (Comus Z. 46 ff.):

Bacchus, that first from out the purple grape
Crush't the sweet poison of misused wine

On Circe's island fell (who knows not Circe
The daughter of the Sun, whose charmed cup
Whoever tasted lost his upright shape,
And downward fell into a groveling swine?),

wo der Nebensatz und der eingeklammerte Satz vielleicht Anfänge moralischer Deutung darstellen. Jedenfalls lässt die darauffolgende Stelle (Z. 69-77) mit den Schlussworten: to roll with pleasure in a sensual sty die wirklich moralische Ausdeutung ist Rückschluss zu.

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diesen

Halten wir bei diesen, einen Übergang bezeichnenden, Stellen und stellen wir fest: bei der im ersten Teil dieses Kapitels erläuterten Verwendung ist die Mythologie epitheton ornans, ornamentaler Schmuck und als solcher trennbar, nicht wesentlich. Die Form ist der Vergleich in Nebenordnung zur Verstärkung des Eindrucks. Bei Milton setzt (wie aus folgendem noch hervorgeht) ein künstlerischer Fortschritt ein, indem die Mythologie wesentlicher wird, mit ihrer Wegnahme nicht nur Epitheton und äusserer Schmuck schwinden würde, sondern etwas Integrierendes. Sie hat teilweise ihren antiken Wert zurückerhalten. Ein Denkprozess ist solcher Verwendung vorausgegangen, ein Denkprozess, der aber auch die Inkongruität von antiker Mythologie und christlichem Kunstwerk enthüllen oder doch ahnen lassen musste. Fortan ist der naive Gebrauch als Schmuck, wie er von dem im Diesseits verankerten Geist gewisser Renaissancekreise gebraucht wurde, ebenso unmöglich wie die Überlegung eines Mantuanus.1) Im künstlerischen Fortschritt ist also der Riss Antike-Christentum und ihre Unvereinbarkeit vorgedeutet. Dies setzt mit Kleinem ein, eine Vorstufe wurde oben erwähnt, sie wird betont durch das folgende für einen Puritaner fast groteske Zitat, aber die (von mir) gesperrten Stellen zwingen das mythologische Ornament in eine ganz bestimmte zu dieser Stelle passende Deutung, die dann ihrerseits wieder den Sinn der Stelle bestimmter akzentuiert:

(P. L. IV/497-501)... he (Adam) in delight ..
Smil'd with superior love, as Jupiter

On Juno smiles, when he impregns the clouds

That shed May flowers; and pressed her matron-lip
With kisses pure

...

1) Baptista Mantuanus in seinen Parthenicae verwendet gerade für das Lob der Madonna heidnischen Schmuck in exzessiver Weise und rechtfertigt es dann damit, dass ja der Sieg des wahren Glaubens und die Niederlage der Dämonen entschieden seien, man sich daher ihrer Namen ohne Gefahr bedienen und die Schönheiten der heidnischen Kunst dem eigenen Gott als Trophäen darbringen könne (Gaspary II/401), ebenso Sannazaro in De Partu Virginis (vgl. Burckhardt 202 f.).

und so öfter. Zweitens: An Stelle der gehäuften Vergleiche in Nebenordnung treten Vergleiche in gegensätzlicher Ordnung. Die christlichen Örtlichkeiten (oder Personen) werden durch den Gegensatz zu den als inferior bezeichneten heidnischen Örtlichkeiten (oder Personen) beschrieben. Die Mythologie ist wesentlich, denn sie ist die Beschreibung; die Mythologie ist ausserdem zum Thema in ein bestimmtes, nämlich untergeordnetes, Verhältnis gesetzt. In der Wesentlichkeit enthüllt sich also der Gegensatz. Ein Kompromiss, der in seiner künstlerischen Verwendbarkeit sich zum Teil selbst aufhebt. Nur wenige Belege für diese sehr häufige Erscheinung: P. L. I/574-587 wird das Heer Satans verglichen mit den Heeren vor Troja, Theben und denen Karls des Grossen (never met such embodied force); P. L. II/626—628: ... worse Than fables yet have feign'd, or fear conceiv'd Gorgons and Hydras, and Chimaeras dire (vgl. auch II/1015-22; IX/505-10). P. L. IV/268 ff.:

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Of Enna, where Proserpine gathering flowers

Herself a fairer flow'r by gloomy Dis

Was gather'd, which cost Ceres all that pain

To seek her through the world; nor that sweet grove

Of Daphne by Orontes, and th'inspir'd

Castalian spring, might with this Paradise

Of Eden strive; nor that Nyseian isle... usw.1)

In shadier bower

More sacred and sequester'd, though but feign'd,
Pan or Silvanus never slept; nor Nymph,

Nor Faunus haunted

.....

(P. L. IV/705—708).

(Eva) Undeck't, save with herself, more lovely fair

Than wood-nymph, or the fairest goddess feign'd
Of three that in mount Ida nacked strove! (V/380 ff.).

Lest from this flying steed unrein'd (as once

Bellerophon, though from a lower clime)

Dismounted, on th' Aleian field I fall (VII/17—19).

Hierzu gehört auch P. L. IX/13-47 die Verteidigung seines Themas: Not less but more heroic than the wrath Of stern Achilleus usw., wobei

1) Vgl. dazu P. L. IX/449, wo Eden beschrieben wird als schöner als die Gärten des Adonis, eine superlativische Beschreibung, da nach Plinius 'antiquitas nihil prius mirata est, quam Hesperidum hortos, ac regum Adonis et Alcinoï3.

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