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Then persevere; for still new charges sound,
And if thou overcom'st thou shalt be crowned.

Aber auch hier ist es das Abstrakte, die Abneigung gegen das Symbol, die ein Allerhöchstes man denke an die sublimste Liebesdichtung Dantes im Paradiso ausschliesst. Die Steigerung des Puritaners führt nicht zur Verklärung, sondern zur Verflüchtigung: eine wohl als Vergeistigung des Petrarkismus gedachte in rein gedanklichen Sphären sich bewegende Strophe Marvells (The Definition of Love):

My love is of a birth so rare

As 'tis, for object, strange and high;

It was begotten by despair,

Upon impossibility

hat als das sich einstellende Bild folgerichtig ein mathematisches:

As lines, so loves oblique may well
Themselves in every angle greet:
But ours, so truly parallel

Though infinite, can never meet.

Dieser Mangel an Bildlichkeit und das Vorherrschen des Abstrakten durchzieht die ganze puritanische Dichtung und drückt sich mit am deutlichsten aus in den Personifikationen, die als puritanische Himmelshierarchie geschaffen werden, die aber (wie ihre Namen schon besagen) nicht körperlich werden und unanschaulich bleiben.1) G. Fletchers Justice und Mercy bleiben Begriffe, schon deshalb, weil ihre Beschreibung auch das Sinnliche meidet: Justice: she was a virgin of austerre regard'; Mercy: 'Upon her breast Delight dot softly sleep And of Eternal Joy is brought abeď etc. Die Dichtung bewegt sich in rein begrifflicher Sphäre, wendet sich nur an den Verstand und schliesst die Sinne aus. Vgl. z. B. Quarles (v. Meditation p. 67 f.): Withdrawne the Will, and brib'd the false Affection, That this, no order hath; nor that, Election; The Will proves Traitor to the Understanding; Reason hath lost her power, and left commanding .

etc.

1) Die Sammlung von Abstrakten in Personifikation wirkt erschlagend: Famine, and bloodless Care, and bloody War,

Want, and the want of knowledge how to use

Abundance, Age and Fear, that runs afar
Before his fellow Grief... etc. (Fletcher).

Besonders verhängnisvoll wird diese Abstraktheit einer naturgemäss immer wiederkehrenden Aufgabe gegenüber: der Schilderung des himmlischen Glücks. Entweder wird überhaupt darauf verzichtet; Gott ist die Verkörperung aller zukünftigen Freuden und macht 'the wisest dumb' (G. Fletcher C. I.). Auch wenn er eine Stimme von Stahl hätte und eine grössere dichterische Begabung (klagt der Autor ibid. C. IV), so könnte er doch nicht wagen, davon zu singen: Impotent words, weak lines, that strive in vain

In vain, alas, to tell so heav'nly sight.

Wird dann doch die Beschreibung gegeben, so wird sie blass:
Ye blessed souls, grown richer by your spoil
Whose loss, though great, is cause of greater gain

Here may your weary spirits rest from toil,

Spending your endless evening that remains,

Amongst those white flocks, and celestial trains,

That feed upon sheir Shepherd's, eyes

Psalming aloud the holy honours of his name . . . (ibid.)

Oder, um etwas Positives sagen zu können, wird die Mythologie hervorgeholt und in ihrer kontrastierenden Gegenüberstellung wenigstens eine negative Schilderung versucht (ibid. C. II):

Not lovely Ida might with this compare,

Though many streams his banks besilvered,
Though Xantus etc.

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No Rhodope, no Tempe .

Nor Hybla, though . . . etc.

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Adonis' garden was to this but vain,

...

Though Plato on his beds a flood of praise did rain

und Figuren des klassischen Altertums wie die Grazien usw. müssen die erdachten Personifikationen verkörpern helfen (Gefolge Mercys C. II.). Reine Abstraktion ist in der Kunst ein Unding, ja sie hat sich auch im Leben nicht aufrecht erhalten lassen und in der Vision eine Überbrückung gefunden. Die sterbende Frau Stubbes (Christall Glasse in Stubbes ed. Furnivall p. 202) ruft aus: 'I see infinite millions of Angels attendant vpon me, and watching ouer me, readie to carrie my soule into the kingdome of heauen'.1) Und so werden

1) Vgl. auch die Apostrophe an Satan ibid. 205 und die häufige Verkörperung des Bösen. Dazu auch Bunyan: 'Sometimes I have thought I should see the devil, nay, thought I have felt him, behind me, pull my Clothes' (Autob. p. 327); vgl. auch den Einfluss von Luthers Kommentar zum Galaterbrief (ibid. 334).

dann auch zum Ausdruck für das Thema der puritanischen Literatur, für das innere Drama, dessen Personen Gott, Satan und die menschliche Seele sind, schon aus der Intensität der nach Verkörperung drängenden Gefühle und Gedanken, Kompromisse gesucht. Zwar hatten wenige Miltons Gabe, in den höheren Aspekten menschlichen Strebens und menschlicher Kultur die Wirksamkeit göttlichen Geistes zu fühlen,1) der so Wissen, Schönheit, Kunst gewissermassen heiligte; und doch hat auch er keine harmonische Verschmelzung zu geben vermocht. Anderen musste die Diskrepanz zwischen Sinnlichkeit und Idee noch grösser erscheinen (immer wieder fällt auf, dass nicht der aus der Mystik hervorgegangene Luther, sondern Kalvin erster Lehrmeister war), und ein Baxter sah sich gezwungen (im part IV. der Saints' Rest), aus 'spiritual prudence to make friends of powers which are usually our enemies' und bespricht eingehend, welche Hilfen die Sinne für den Geist haben können. Wir sollen uns zwar nicht wirklich den Himmel aus Gold vorstellen usw., aber als Hilfe unserer Schwäche und Unvollkommenheit ist solche Vorstellung dienlich, zumal die Literatur nicht wie ein Werk der bildenden Kunst ein wirkliches (und für den Puritaner die Seele degradierendes) Sinnending vorstellt, sondern nur ein geistiges Bild ist, das, wenn es seine Helfersdienste getan, wie ein Gerüst beiseite geschoben werden kann. Es fragt sich allerdings, wieweit solches Beiseiteschieben möglich ist, das demnach ein vom Leser zu vollziehender Prozess wäre. Wir werden noch sehen, dass der Eindruck für den Nicht-Puritaner oft anders ist. Zunächst muss zum Vergleich die grundverschiedene Stellung solcher Dichter angedeutet werden, die mehr der katholischen Auffassung ́sich annähern, bei denen das Sinnending nicht Gerüst und Hilfe, sondern Wesen ist, in dem sich das Geistige, Ideelle offenbart, das an sich teil hat am Übersinnlichen. Schon bei Herbert, der eigentlich noch eine Zwischenstellung einnimmt, ist unter dem Einfluss der Laudschen Beauty of Holiness das Bestreben, das Abstrakte durch das Konkrete auszudrücken, so vorherrschend, dass er ein ganzes Sonett nur aus Metaphern bestehen lässt: Prayer, the Church's

1) Daher sein Prinzip der Auswahl (Berufung auf den Tessalonicherbrief: ,,Prüfet alles und das beste behaltet", und: „Dem Reinen ist alles rein", die Berufung auf Selden in Areop.). Daher im zweiten Buch des Ch. Gov. die Bezeichnung der Dichtung als eine von Gott kommende Gabe, mit dem Zweck, den Samen der Tugend auszustreuen, die Leidenschaften zu besänftigen, das Lob Gottes und der Märtyrer zu besingen usw. Daher schon die Rede des Studenten, dass die Kunst den Menschen glücklicher macht als Unwissenheit.

banquet, Angels age' etc. Aber als mit Donne zum erstenmal in der Dichtung die leidenschaftliche Anhängerschaft an die katholischen Elemente im Anglikanismus sich aussprach, erscheint der Unterschied in seiner ganzen Grösse. Herbert betrachtete die Zeremonien als Vehikel, um Gott näherzukommen, für Crashaw liegt in ihnen das Unaussprechliche verborgen, für ihn haben sie wirklich eine mystische Bedeutung. Vaughan ist dann der religiöse Dichter, der Visionär und Mystiker, in einem Sinne, wie man es von keinem der puritanischen Dichter sagen kann. Zugleich ist das lyrische Niveau (schon bei Herberts: Cannot the dove Outstrip erst recht bei Donne) bedeutend gehoben.

und

Das konnten die Puritaner wegen des steten Bewusstseins der Trennung der sinnlichen und der übersinnlichen Welt nicht erreichen und nicht erstreben. Auch sie haben aber ein Gegengewicht gegen das oben betonte rein Abstrakte. Ich meine eine besondere Art der Erdgebundenheit, auf die schon einmal angespielt wurde, und die wohl in ihrer Wertschätzung des Praktischen, auch der praktischen Ziele der Dichtkunst, begründet ist. Man hat aufmerksam gemacht auf Miltons bold materialism that runs through P. L. und besonders eindringlich wird das, wenn, einige Stufen tiefer, Marvell in 'Bermudas' die puritanischen Auswanderer ein Lobgedicht (a cheerful and a holy note') singen lässt auf Gott, der sie geführt hat; nicht eine Verklärung ist das Ergebnis, sondern ihre gottselige Haltung verschaffte ihnen ein Schlaraffenland:

He hangs in shades the orange bright...

He makes the figs our mouths to meet
And throws the melons at our feet... etc.

Ganz deutlich wird das bei Bunyan; der Zusammenhang des sinnlichen allegorischen Bilds mit dem abstrakten Sinn ist so eng, dass eine Loslösung, Baxters Beiseiteschieben des Gerüsts, schwer denkbar ist, ja, dass in all seinen Hauptwerken: Pilgr. Progr., Holy War, Badman, Grace abounding, der spiritualistische Sinn eigentlich nur dem Puritaner gegenwärtig ist, und dass sie für einen anderen Leser mehr wie Nachschaffungen realen Lebens wirken. Es ist ein lebendiger Himmel voller Engel, eine ebensolche Hölle voller Teufel, beides innerhalb einer Welt, in der die Vorsehung, die Worte der Bibel und die göttliche Stimme in der menschlichen Seele fast körperlich agieren. Allerdings müssen vom künstlerischen wie vom puritanischen Standpunkt (d. h. wenn man nicht auch die puri

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tanische Gabe des Darüberhinwegsehens sich zu eigen machen will) schwere Bedenken auftauchen. Der künstlerische Eindruck wird geschwächt, weil Christian = der Mensch, fast ohne eigenen Willen, mehr als eine nicht tadellos funktionierende Marionette in den Händen Gottes erscheint. Seinen Trieben kann er nur bis zu einem gewissen Grade nachgeben und kommt dank der göttlichen Führung durch alle Fährden hindurch. Wir zweifeln nicht daran, und seine Gefahren rühren uns deshalb schliesslich wenig. Noch eines, die schon erwähnte Unfähigkeit, Entzücken abstrakt zu schildern, verführt Bunyan seinem Gefühl nach konform der biblischen Bildlichkeit zu einem Materialismus, der, dem Übersinnlichen in solcher Weise genähert, eine komische Wirkung herbeiführt: ein Brief Gottes smelt after the manner of the best Perfume', der Name Gott has been to me as a Civet-Box, yea, sweeter than all Perfumes . His Word I did use to gather for my Food, and for Antidotes against my Faintings etc.... (290). Der ,,Materialismus", d. h. diese Verwendung von Bildern aus der Sphäre der Sinnlichkeit ohne innewohnenden symbolischen Wert, verführt Bunyan aber auch, die eigentliche puritanische Doktrin durch Bildlichkeit ad absurdum zu führen. Der erlöste Pilger geht in weissen Kleidern, eine Goldkette um den Hals, eine perlenbesetzte Goldkrone auf dem Haupt, mit Gott spazieren (162 f.). Immer spielen Musik und Tanz eine Rolle (290 u. ö.), der Himmel klingt wider von Singen und Musik und ist voller Harfen (165). Gewiss, er ist in der Vorstellung des Himmels an die Bibel gebunden; aber wir finden das gleiche, wo dies Vorbild fehlt. Das Bild der Gnade (im Haus des Interpreters), wo Christus, heimlich hinter der Mauer stehend, Öl ins Menschenherz giesst, dessen Flamme Satan auslöschen will, ist so,,sinnlich“ wie irgend eines der gemalten Bilder in der Kirche. Christian sitzt mit den Frauen Frömmigkeit usw. (p. 50) im Palast plaudernd until supper was ready. . . Now the table was furnished with fat things, and with wine that was well refined.' Und endlich wenn Christian 'Moses's rod, the Hammer and Nail with which Joel slew Sisera etc. gezeigt bekommt, sind das andere Dinge als die katholischen Reliquien? Ist damit puritanische Kunst in vielem fragwürdig geworden, so ist anderseits das, was in minderwertigen Produkten puritanischer Literatur als öde didaktische Tendenz erschien, unter den Händen Bunyans zu einem Bild volkstümlichen Lebens geworden, das etwas Anheimelndes hatte, Mitleid einflösste und den Sinn für die Würde des Menschen schlechthin erwecken

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