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As men divinely taught, and better teaching
The solid rules of civil government,

In them is plainest taught, and easiest learnt,
What makes a nation happy, and keeps it so,
What ruins kingdoms, and lays cities flat;

These only with our Law best form a king.

Und schliesslich, am eindringlichsten, das antike Wissen und die Philosophie; der Teufel spricht:

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By wisdom; as thy empire must extend,
So let extend thy mind o'er all the world
In knowledge, all things in it comprehend.
All knowledge is not couch't in Moses' law,
The Pentateuch, or what the Prophets wrote;
The Gentiles also know, and write, and teach
To admiration, led by Nature's light;
And with the Gentiles much thou must converse,
Ruling them by persuasion, as thou mean'st;
Without their learning how wilt thou with them,
Or they with thee hold conversation meet?
How wilt thou reason with them, how refute
Their idolisms, traditions, paradoxes?

Error by his own arms is best evinc't,

wobei die Schlussworte ein Echo der patristischen (Clemens von Alexandria) Rechtfertigung der Beschäftigung mit der Antike sind, die also hier durch die Person des Sprechers als Irrweg bezeichnet sind; es ist der Rat des Teufels, die Antike mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, ist ein lügenhafter Vorwand. Und was auch Verlockendes über die antiken Philosophen (272-84) ins Feld geführt wird schon Satans eigene Worte: from whose mouth issued forth mellifluous streams' erwecken eine Reminiszenz an Salomos Spruch 5/3: ,,Denn die Lippen der Hure sind süsse wie Honigseim" alle Systeme müssen versinken vor dem Christentum. Sokrates bekannte selbst, dass er nichts wusste (292 f.), Plato 'to fabling fell and smooth conceits' (294), die Skeptiker, Kyniker und Epikur (295-98) und endlich auch, bezeichnenderweise am ausführlichsten geschildert, die Stoa wird abgetan:

(299 ff.) The Stoic last, in philosophic pride,
By him call'd virtue; and his virtuous man,
Wise, perfect in himself, and all possessing
Equal to God, oft shames not to prefer,
As fearing God nor man, contemning all
Wealth, pleasure, pain or torment, death and life,
Which when he lists, he leaves, or boasts he can,

For all his tedious talk is but vain boast,

Or subtle shifts conviction to evade.

Damit ist all das, was von der Antike in Miltons geistiger Entwicklung eine Rolle spielte, nach Wert und Umfang von ihm selbst zur Sprache gebracht und abgelehnt. In Jesus ist das Erkennen des unlösbaren Gegensatzes, von dem schon so oft die Rede war, schroff formuliert:

(P. R. IV/288 ff.)

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he who receives

Light from above, from the fountain of light,
No other doctrine needs, though granted true;
But these are false, or litlle else but dreams,
Conjectures, fancies, built nothing firm . .

(309-15; 318-21.) Alas, what can they teach, and not mislead!
Ignorant of themselves, of God much more,
And how the world began, and how Man fell
Degraded by himself, on grace depending?
Much of the soul they talk, but all awry,
And in themselves seek virtue, and to themselves
All glory arrogate, to God give none...

Who therefore seeks in these
True wisdom, finds her not; or by delusion
Far worse, her false resemblance only meets,
An empty cloud . .

Hier ist wirklich eine innere Loslösung; das hätte er weder in seiner Jugend, noch auch in den Jahren des Commonwealth gesagt. Es ist die puritanische Anschauung von der Überlegenheit ihres reineren Gottesbegriffs, die er als Spross des auserwählten Volkes sich eigen weiss. Bei ihm verbindet sich jetzt wie bei Tatian der Beweis für das Alter der christlichen Religion mit heftigem Angriff gegen griechischen Kulturstolz. Damit ist dann die Auffrischung eines Gedankens verbunden, der im ganzen Puritanismus herumspukte

(vgl. Platonismus S. 151 Anm. 1), des Gedankens, dass die griechische Kultur sich auf die jüdische aufbaue und die tiefsten Gedanken der griechischen Philosophen aus Moses,,gestohlen" seien. Christus spricht (P. R. IV/333 f.):

All our law and story strew'd

With hymns, our psalms with artful terms inscrib'd,

Our Hebrew songs and harps, in Babylon

That pleas'd so well our victors' ear, declare

That rather Greece from us these arts deriv'd;

Ill imitated..

Es geht das zurück auf die Doktrin der jüdisch-alexandrinischen Platoniker, die, um Übereinstimmung bemüht, Plato zum „attischen Moses" machten (ein Ausdruck, der von Numenius herrührt) und unter dem bald erhobenen Vorwurf des Plagiats verfochten, dass die besten Lehren aller griechischen Philosophen den Juden gestohlen seien und folglich von diesen in Anspruch genommen werden könnten (vgl. Bigg S. 30 f., 76 f., 77 Note 3). Die Vereinsamung mag an der Schärfe der Formulierung Anteil haben, Milton spricht in seinem 62. Lebensjahr, als die ihn unmittelbar umgebende Literatur die der Restauration war.

Dass er gewissen romantischen Jugendneigungen fremd geworden und der zeitgenössischen Literatur, auch Sidney und Shakespeare,1) ablehnend gegenübersteht, ergibt sich danach als selbstverständlich. Denn hier kommt noch eines hinzu, was bei der Antike keine Rolle spielte, die nachklingende ritterliche Anschauung von der Frau, die puritanischem Denken zuwider war. Der Kampf zwischen Doktrin und Gefühl, der vielleicht in seinem Leben eine Rolle spielte, ist für seine Auffassung der Dichtung bedeutungslos, der Puritaner hatte das Rittertum als Teil des Katholizismus beiseite gesetzt und das biblisch-hebräische Ideal von der Unterwerfung und Abschliessung der Frau an dessen Stelle gerückt. Von der sonst verachteten Scholastik übernahm er das Dogma, dass die Seele in semine patris mitgeteilt werde, und zweifellos teilte er

1) Sidneys Arcadia ist ‘a vain amorous poem'. Bei Shakespeare ist er auch durch das Puritanergefühl gegenüber der Bühne beeinflusst. Den ‘warbling woodnotes wild (an sich ein zweifelhaftes Lob im Munde eines Verfechters klassischer Form) steht der 'abstruse author' gegenüber. Auch das Sonett auf Sh. überzeugt nicht. Im übrigen spielt die zeitgenössische englische Literatur für Milton so gut wie keine Rolle, er erwähnt sie kaum.

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die Ansichten von Knox über das Monstrous Regiment of Women. Mag er immerhin in Areopagitica sagen, es sei as good almost kill a man as kill a good book', was ihn in der Literatur an diese ritterliche Auffassung zu erinnern schien, waren eben einfach 'mischievous and libellous books'; hat doch sogar die Stärke solchen Fühlens, die schuld an dieser einseitigen kritischen Stellungnahme war, ihn in S. Ag. von der besten griechischen Tradition abweichen lassen, indem er dem Chor unpassenden Stoff zuteilt.

Immerhin, mit Milton suchte der Puritanismus an alle Elemente der Bildung anzuknüpfen: Sagen und Erzählungen des Orients, Mythologie der Griechen und Römer, rabbinische und patristische Überlieferung, antike und moderne Poesie, Philosophie und Theologie, Geographie, Geschichte und Astronomie. So ist Milton auch die letzte Figur der englischen Renaissance, der den Traum aller Renaissancedichter the heroic poem' vollendete. Die streng christlich orientierte Leidenschaft für Kunst und Literatur der Antike, die mit der Prosa Chekes und Aschams begann, endet mit ihm, der die nur unvollendete Mischung von Renaissance und Reformation, wie sie im Werk Sidneys und Spensers auftritt, im Sinne des Puritanismus vollendet löst: völlig hebräischer Geist in den Formen der attischen Tragödie (S. Ag.) und des attischen Epos (P. L. und P. R.). Dass die vollendete Übertragung der klassischen Formen in die englische Dichtung in sich die Negation klassischen Geistes enthielt, ist seine Tragik.

III.

Puritanismus und Antike.

Des öfteren bereits musste das Problem: Antike und christliche

Kultur

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sei es unter dem Aspekt der Unvereinbarkeit oder dem der erstrebten Synthese berührt werden. Dies Problem ist es auch, was dem Verhalten des Puritanismus zugrunde liegt. Aber nicht des Puritanismus allein, sondern der breiten religiösen Strömung, die im 16. und 17. Jahrh. sowohl innerhalb des Katholizismus, wie in den gegensätzlich gerichteten religiösen Reformbestrebungen über die Länder Europas hinflutet, und von der der Puritanismus nur ein kleiner, wenn auch der bezeichnendste und konsequenteste Teil war. Damit wurden in der Zeit der geistigen Revolution, die die Jahrhunderte der Reformation und Renaissance darstellen, die nämlichen Probleme wieder aufgerollt, die Lebensfragen der Urkirche waren. Die Erfahrung von anderthalb Jahrtausenden, die

von jener Zeit trennten, hatte nicht nur das Problem in seiner alten Unlösbarkeit bestehen lassen, sondern die Entscheidung kompliziert, da sie von einem anderen Kultur- und Zivilisationsstandpunkt aus getroffen werden musste. Während so trotz starker und dauernder gegenteilig gerichteter Strömungen die im wesentlichen einheitliche kirchliche Kultur des Mittelalters das Ergebnis jener ersten Entscheidung darstellte, kam es das zweite Mal zu Teilentscheidungen nachtridentinischer Katholizismus, Pietismus, Nationalkirchen usw. —, die in ihrer untrennbaren Verknüpftheit mit politisch-sozialen Problemen, Philosophie und erwachendem Individualismus eine verzweigte und auch heute noch unabsehbare Kulturentwicklung heraufführten. Bejahte man den Anteil der Kirche an der Kultur, war eine Anteilnahme an der Welt notwendige Folge. So hiess die Alternative, um die es sich für die Urkirche handelte: Abschliessung von der Welt oder Eroberung der Welt. Im Bewusstsein der Mission fiel die Entscheidung im letzteren Sinne, aber nicht sofort und nicht ohne grosse Widerstände. Zunächst sind Christentum und Weltkultur Grössen, die kein inneres Verhältnis zueinander haben. Das Urchristentum ist kulturfremd und folglich unliterarisch, und was von höherer hellenistischer Kultur aufs Christentum eindringt, sind Elemente, die sich mehr an der Peripherie halten, die den Charakter des Zufälligen, Sporadischen tragen (vgl. Wendland S. 255 ff.). Wie wenig die Kirche auf einen Ausbau solcher Anfänge und auf literarische Tendenzen gerichtet war, beweist die Tatsache, dass gegen Ende des 2. Jahrh. von der kirchlichen Majorität in vollem Ernste das Recht aller wissenschaftlichen Forschung, ja jeglicher Schriftstellerei in Frage gestellt werden konnte. Und auf der anderen Seite wird der Gegensatz der Kultur und Unkultur ebenso scharf empfunden. Dem Christenfeinde Celsus ist das Christentum eine barbarische Lehre, die sich an die Einfältigen und Niedrigen, an Sklaven, Weiblein und Kindlein wendet, die Weisheit für etwas Schlimmes, die Torheit für etwas Gutes erklärt. Der Nachhall dieses Kampfes klingt durch Jahrhunderte fort1); hat man die Schrift, was braucht man Schriften. An seinem 1) Beispiele von kirchlichen Schriftstellern, die Sokrates, Sophokles, Euripides, Homer etc. mit scharfen Worten verwerfen, bei Achelis/Das Christentum in den ersten drei Jahrhunderten S. 106 f. Vgl. auch das aus dem 5. Jahrhundert stammende Carmen contra poetas vanos (Migne Pat. lat. LIII/786 f.), das den heidnisch-weltlichen Dichtungsmotiven biblische entgegensetzt. Dieser Gedanke an Ersatz auch bei Apollinaris von Laodicea, Nonnos, Proba. Vgl. Schöffler/Prot. u. Lit. S. 3 f.

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