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grüsst. Dieser letztere Stein fällt, wie der Name der Frau
• andeutet, nach Trajans Zeit und mag seinem Kunststil gemäss
• sogar erst unter Diokletian gefertigt sein. Man sieht deutlich
. wie das NB und das XAIPE von späterer, weniger geübter
Hand hinzugefügt sind. Ulpia hat daher noch bei ihren Leb-
szeiten das Denkmal zu Ehren ihres verstorbenen Gatten an-
«fertigen lassen und war ein Platz für die Ergänzung der letz-
«tern Worte leer geblieben, welche natürlich erst nach ihrem
.Tode hinzugefügt werden konnten ).

42. Statt EE.
63. Köhler l. c. 253, n. 812. Boeckh, l. C., No. 2100. u. S. W.»

So weit mir der Gebrauch der Gelehrtenwelt bekannt ist
(und ich werde auch durch Hrn. Boeckh an der vom Vf. an-
geführten Stelle weiter darin bestärkt), würde ich zu Folge
dieser Form der Darstellung glauben annehmen zu müssen,
dass Hr. v. Köhne selbst und zuerst es gesehen, dass EE slalt
ZE einzuhauen war, dass der Name Ulpia auf Trajans Zeit
hinweise, dass die letzte Zeile oder ein Theil derselben erst
später nach dem Tode der Frau, welche den Stein noch bei
Lebzeiten hatte machen lassen, hinzugefügt sei; und ich würde
mich nur wundern, wie Jemand dies Alles einsehen und doch
zaio «Seid gegrüsst - übersetzen könne. Schlägt man aber
das Corpus Inscriptionum auf, so wird allerdings dieser Um-
stand erklärlich, indem man findet, dass alle jene Bestimmun-
gen nicht von Hrn. v. Köhne, sondern von andern Gelehrten,
namentlich von Köhler herrühren; hingegen die von Hrn.
Graefe in diesem Bulletin gegebene Behandlung jener In-
sebrift konnte der Vf. wohl, als er dies schrieb, noch nicht
kennen. Hiernach weiss ich jene meiner Ansicht über die
Aufgabe, welche sich der Vf. selbst stellte, entgegenstehen-
den Aeusserungen desselben, namentlich die aus der Vorrede
angeführten, nicht anders zu erklären, als durch einen Irrthum,
in welchem sich der Vf. über das Verhältniss seiner Leistun-
gen zu denen seiner Vorgänger befindet.

Allein ein anderer Einwand gegen meine Ansicht könnte
aus dem Inhalt der Schrift selbst entnommen werden. Denn
da finden wir eine Menge Dinge zum grossen Theil sehr weit-
läufig behandelt, welche « zur Geschichte und Archäologie von Cherronesos. gar Nichts beitragen. Allerdings ist es bei jeder wissenschaftlichen Untersuchung nöthig, dass der Vf. in so weit von seinem eigentlichen Thema abschweift, als er Voruntersuchungen, auch wenn sie mit demselben nicht unmittelbar zusammenhängen, vorzulegen hat, um auf deren Resultaten sussend Weiteres über den eigentlichen Gegenstand seiner Arbeit schliessen zu können. Aber es versteht sich von selbst, dass diese Abschweifungen eben nur dann nothwendig und zulässig sein können, wenn sie Dinge betreffen, welche nicht schon längst durch die Bemühungen Anderer Gemeingut der Wissenschaft geworden sind, sondern neue, vom Vf. durch eigene Untersuchung gewonnene Resultate enthalten. Ja es pflegt auch zu geschehen, dass man sich bei Monographien noch andere Abschweifungen erlaubt, indem man Untersuchungen hinzufügt, deren Mittheilung durch den eigentlichen Gegenstand der Schrift nicht einmal mit jener Nothwendigkeit herbeigeführt wird, und nur darin ihre Rechtfertigung findet, dass der Vf. die Gelegenheit benutzend, dem Publicum ein neues, von ihm erreichtes Resultat miltheilen wollte. Aber es leuchtet auch ein, dass es hier um so nothwendiger ist, dass diese Bedingung auch wirklich erfüllt werde.

Die zahlreichsten und umfangreichsten Abschweifungen des Vf. werden durch Nichts dieser Art gerechtfertigt. Ich hebe nur wenige Beispiele hervor. P. 88 ff. wird nach Eckhel weitläufig über die Begriffe ελευθερία, αυτονομία und ατέλεια gesprochen. Es wird Jedermann einräumen, dass die Inschrift ΕΛΕΥΘΕΡΑΣ auf Chersonesischen Münzen nicht verstanden werden kann, wenn man die Bedeutung und den Gebrauch jener Worte nicht kennt. Allein sollte wohl heut zu Tage selbst einem Anfänger in der antiken Numismatik diese Bedeutung unbekannt sein? Und wenn der Vf. daran zweifelte, würde dann nicht eine kurze Angabe der Bedeutung nebst Verweisung auf Eckhels Werk, was in wenigen Zeilen geschehen konnte, weit angemessener gewesen sein, da doch der, welcher sich von der Gültigkeit des hier Vorgetragenen überzeugen will, immer noch jene Schrift zu Hülfe nehmen muss? P.54 f. schreibt Hr.v.Köhne: Denkmäler älteren Stiles enthalten die > Artemis durchgängig lang bekleidet, im Zitav nodions: Sko•pas und Praxiteles bildeten aber ein Ideal aus, welchem sie das für eine Jägerin passende Costüm gaben. Statt des herabwallenden Haares, wie es noch die im alterthümlichen Stile gehaltene Borghesische Artemis trägt, finden wir nun das Haar theils durch ein diáðnua rund um den Kopf zusam«mengehalten, theils auf Wirbel oder Hinterkopf nach Dori<scher Weise zu einem Busch vereinigt. Hin und wieder erscheint Artemis auch mit einem Lorbeerkranze auf dem · Haupte, einem passenden Attribute für eine glückliche Jä•gerin, welcher der Lorbeer heilig war. Es gab eine Artemis dapraia zu Las und eine daqvia zu Olympia (Paus. Lib. III, 24, 6, Strabo, VIII, 343). Die Kleidung wird ein Dorischer Chiton, gewöhnlich am Knie hochgeschürzt: após anony «γύην φοίνιξ (sic!) 2) πέπλος ελισσόμενος, seltener bis auf die Füsse herabwallend und an der Seite aufgeschlitzt, um der schnellen Bewegung nicht hinderlich zu sein. Dazu kommen «noch die ένδρομίδες oder Κρητικά πέδιλα, Jagdatiefeln, welche beinahe bis zum Knie hinaufreichten und den Zweck .batten, den Fuss ringsum gegen Dornen und Steine zu •schützen. etc. Ob wohl der Vf. glaubt, dass Jemand «Beiträge zur Geschichte und Archäologie von Cherronesos, lesen wird, obne so triviale Dinge wenigstens so weit zu kennen, als sie ihm hier von dem Vf. (grösstentheils nach O. Müller's Handbuch) wiederholt werden? P. 61 ff. lesen wir Folgendes: Die Greife bewohnten ein an Gold reiches aber unfruchtbares Land zwischen den Ripäischen Bergen und den Skythen und Sarmaten (Mela, II, 1), mit welchen sie, ihre Schätze bewachend, stets im Kampfe lebten. Plinius versetzt die Greife bald nach Herodot und dem Prokonnesier Aristeas, nach Sarmatien (Hist. nat. VII, 2), bald nach Skythien (ib. XXXIII, 4) oder nach Aethiopien (ib. X, 49). Sie bestehen aus der Vorderhälfte eines Adlers und der unteren eines Löwen und erscheinen vorzüglich auf Denkmälern des goldreichen Tauriens sehr häufig. Namentlich kommen sie vor auf goldenen Schmuckgegenständen, auf bemalten Thonge

3) In der russischen Ausgabe: iyvúry goīvić (sic!).

Anm, d. Red.

« fässen, Münzen und anderen Stücken, welche einst den « Kertsch'schen Gräberfunden angehörend, jetzt eine Zierde des Kais. Museums der Eremitage bilden.

«Obgleich die Greife schon in den Hesiodschen Gedichten "genannt werden (Aeschyl. Prometheus 803, Schol.), auch auf dem ehernen Kessel, den die von Tartessos heimkehrenden Samier in der 37 oder 38 Olympiade in ihrem Heraeon weihaten (Herodot. IV, 152. Greifenköpfe waren im Hautrelief am Rande angebracht und dienten drei, sieben Ellen hohe, knieende Figuren als Füsse), so wie in dem Hofe des Skythischen Königs bereits vorkamen (Herod. IV, 79), sind sie doch ursprünglich, wie es scheint, Asiatischen Ursprungs. « Dem Griechischen Geiste war die Bildung solcher Ungeheuer » fremd, während in Persien, wie die letzten Entdeckungen »von Neuem bekräftigen, äbnliche Monstra, namentlich Löwen«Adler, häufig vorkommen.» (Beigefügt sind einige Nachweise aus den bekannten Werken von Botta und Flandin.) «Müller vist der Ansicht, dass durch Persische und Babylonische Ta«peten, welche Milesier häufig verführten, ähnliche Gebilde a in Griechenland bekannt und mit der nordischen Phantasie "verschmolzen wurden (Dorier, I, 276). Ich muss dieselbe Frage wiederholen, und die Vermuthung hinzufügen, dass eine einfache Verweisung auf Ukert: Geographie der Griechen III, 2. p. 410 ff., oder auch nur auf Müller, oder, wenn nun einmal ein Mehreres gegeben werden sollte, eine präcise und vollständige Darlegung der neuesten Resultate, etwa wie sie Hr. Ukert gegeben, dem Leser weit willkommner gewesen sein würde, als diese unvollständigen, principlos aufgerafften Notizen. P. 81 wird eine Anzahl von Städten zusammengestellt, auf deren Münzen dieselben Namen vorkommen, welche sich auch auf Chersonesischen Münzen finden. Dabei werden aber nur die Städte und Namen genannt, welche Mionnet in seinen Tables générales (die jedoch nicht citirt werden) verzeichnet hat, und selbst diese nicht vollständig. Nur das Citat. Suppl. IV, 130 findet sich dort nicht, ist aber auch unrichtig und dürfte vielleicht aus Tabl. génér. p. 133 ANI10AE (AOH NAIOT), Julia Phryg., num. Neronis; IV, 310, entstanden sein; und ausserdem ist stalt Sup. VI, 557 zu

schreiben: 575. Alle übrigen Münzen und weiteren Hülfsmiltel, durch welche die Verbreitung dieser Namen nachgewiesen werden könnte, bleiben unberücksichtigt, und man fragt sich natürlich, was wohl, wenn nun einmal diese Verbreitung untersucht werden soll (wozu man übrigens hier gar keine Veranlassung sieht), das wenige bier Wiederholte nützen könne, namentlich wenn ein Theil der Nachweise in folgender Art gegeben wird:

API
APIAT
APIANOOL

u. s. w. auf vielen Münzen

verschiedener Städte.
APIAPA
APIK AIOS
AHMHTPIOT, auf Münzen von Athen, Milet, Ma-

gnesia, Amisus u. 8. W.»

In der ausgedehntesten Weise aber ergeht sich der Vf. in Dingen dieser Art im dritten Abschnitt. So hat Alles p. 148 — 152 unter der Ueberschrift: Flavius Tiberius Mauricius Erzählte, ausser dem einzigen, kurz erwähnten und seinen nähern Umständen nach, wie der Vf. selbst sagt, gar nicht weiter bekannten Factum, dass die aus Asien nach Europa gekommenen Türken Chersonesos belagerten, mit dieser Stadt und ihrer Geschichte Nichts zu thun, sondern besteht nur in einer Wiederholung mehr oder weniger bekannter Verhältnisse des Byzantinischen Reichs in flüchtigen Umrissen, über deren vollständige Gültigkeit hier übrigens nicht geurtheilt werden soll. Was aber zur Erklärung der unter diesem Kaiser in Chersonesos geschlagenen Münzen dient, wird erst p. 154 hinzugefügt. P. 177 werden die Familienverhältnisse des Kaisers Leo erzählt, und dann heisst es: «Leo starb am 11. Mai 912 an einer Unterleibskrankheit. Er war ein in den «Wissenschaften wohl erfahrener Fürst, von welchem gelehrte Schriften, unter anderen eine schon von seinem Vater begon• nene Gesetzsammlung, Basilicae genannt, vorhanden sind.

Das p. 178 f. über Alexander Gesagte steht mit Chersonesos nur in soweit in Beziehung, als es zwei Chersonesische MünMélanges gréco-romains. I.

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